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Abschiedsvideos.

Published on Feb 17, 2019 23:43:00

Nicht mit allem und ganz sicherlich nicht mit jedem. Für Montag morgen 0830 war der OP Termin angesagt. Ein vollkommen normaler Routine-Eingriff. Nur leider vegetiert mein Körper seit Sommer 2018 ohne ein intaktes Immunsystem. Die Frage ist nicht was ich hatte, sondern was ich alles nicht hatte. Ich glaube "Bluter" fehlt. Wäre jetzt auch ein krönender Abschluss, wenn ich dann an einer ausblutenden Wunde im Rachenraum sterbe. Aber seit meiner Herpes-Infektion ist mein Körper einfach nicht mehr am Start. Die Anzahl an Erkältungen kenne ich nicht mehr. Die Anzahl an Medikamenten ebenfalls nicht. Ich weiss nur das ich in den letzten 6 Monaten mehr eingeschluckt hab als in meinem ganzen verdammtem Leben zuvor.

Drei Abschieds-Videos hatte ich angefertigt. Mag drastisch klingen, aber am Ende wirkte es befreiend. Ganz kurze Dinger, denn alles andere was ich zu sagen hatte, sagte ich diesen drei Menschen schon zu Lebzeiten. Den ganzen letzten Sonntag war ich mit Schlomo, meiner Ma und einem bis dahin mir unbekanntem Hamburger Freund-vom-Freund unterwegs. Die Insel anschauen. Jeden angefahrenen Ort hatte ich schon des öfteren aufgesucht, aber dieses mal war alles intensiver. Die Berge, die Farben, der Himmel, das Meer. Keine Angst vor dem was in weniger als 24 Stunden in meinem Körper rum und rausgeschnippelt wird. Und ob dabei alles schief geht. Ich beobachtete meinen Sohn wie er am Vulkan von Bandana in die Ferne schaut, seine Haare dem Wind strotzen und er sich plötzlich an einer Biene erfreut als gäbe es keine anderen Tiere auf diesem Planeten. Ich war mir für mich im Klaren das ich in diesen 2.5 Jahren seines Lebens alles versucht habe um es ihm so gut wie nur möglich zu erklären. Dieses Ding namens Leben. Das dabei vieles schon schief ging, davon zeugt die Tatsache das er beim Anblick des gelb-schwarzen Viechs ganz laut "Biene Maja! Biene Maja! Biene Maja!" schreit. Ich ergötze mich an diesem Moment in dem der kleine voller Leben steckt und mache mir keine Gedanken darüber ob jemand ihm eines Tages die Funktion der Bienen erklärt. Ich merke schon auf dem nach Las Palmas das mir solche Gedanken nicht schwerer wiegen als der Eingriff am nächsten Tag. Es ist alles so wie es ist. Und alles was ich nicht kitten oder erklären oder jemandem mitteilen konnte, werde ich als Last mir aufbürgen müssen.

Wenn es sowas gibt wie "einen schönen letzten Tag im Leben", dann war dieser Sonntag genau so etwas. Einfach ein Tag wie jeder andere mit Aufgaben und Pflichten.
Interessant war am Abend der Gedanke bei dem ich mich fragte welchen Film man schauen würde, wenn man wüsste es ist der letzte Film den man jeh sehen wird. Ich hab mir "Im Westen nichts neues" reingezogen. Zwei Stunden lang geht es um Krieg und Elend und die Routine beim töten. Meiner Situation half sicherlich an all die Opfer der Weltkriege zu denken um mir bewusst zu machen was für ein Wicht ich in diesem Sammelsurium auf der Erde bin. Nicht so sehr half in dem Film das "John Boy" von den Waltons die Hauptrolle inne trug.

So kam die OP am nächsten Montag. Das es nicht leicht werden würde, davon ging ich schon aus. Rachen und Hals sind keine OP-Abstecher für Zwischendurch unter Vollnarkose. So sehr ich mich auch bemühe, kann ich mich nicht mehr erinnern wann ich aufgewacht bin. Ich kann mich auch nicht erinnern wie der Doc vor mir steht. Und wann. Aber ich kann mich sehr gut an sein Gesicht erinnern als er mir sagt das man noch ein zweites gefunden und gleich mit raus geschnitten hat. Und jetzt alles Yeah und so! ES SIND SCHON ZWEI! Gute Laune, party people! Hat doch alles super geklappt,... nur das leider irgendwas in mir ist was mich auffrisst, hasst, fertig macht. Machen will. Denn vorerst schau ich weiter nach vorne. Nach morgen. Und irgendwann kommen dann die Laborergebnisse. Und dann sehen wir eh weiter.

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