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Das sterben der Alten.

Published on Feb 18, 2019 10:47:00

Ich musste kurz nach Hause. Am Haupteingang sitzt da eine Nachbarin aus unserem Block. Hamburgerin. Eins zu eins Mag aus der "Benidorm" Serie. Mindestens 90, raucht, säuft und bringt dennoch nur 40Kg auf die Waage bei einem BMI von 0.000000001 - höchstens! Sie sitzt da, Goldkette, goldene Ohrringe, Haare gemacht, Klmaotten a la haute-couture, Schuhe und Tasche so teuer wie ein Jahreseinkommen. Dennoch mag ich sie, auch wenn sich unser Kontakt auf "Moin moin, wie geht's?", das aktuelle Wetter und der verdammt schlechte Service der Taxifahrer beschränkte. Jetzt sitzt sie da, schaut zu mir hoch und sagt: "Alex is tot!"

Ich denke mir sofort das das ihr Gatte sein muss und sehe ihn noch letzte Woche fit wie ein Turnschuh sich über die Taxifahrer aufregen. Sie sagt er sei morgens Aufgewacht, bekam kaum Luft, ist ins Krankenhaus und am nächsten morgen als sie ihn in seinem Zimmer besuchen wollte, war er schon nicht mehr da. Bereits auf der UCI und sie möge einen Wisch signieren das man ihn mit Morphin zudröhnen dürfe. So ist das hier in Spanien. Was in Deutschland als aktive Sterbehilfe gilt, ist hier usus. Ich hab ihr das erklärt und das schlimmste ist mit was für einer Kälte ich ihr riet die Regeln zu Bank und Gesetz zu brechen. Das konnte und musste ich aus der Erfahrung mit dem Tode meines Vaters tun. Mittlerweile weiss ich ja das dies auch in Deutschland so ist. Regel nummer eins: man sagt der Bank nicht das der Gatte verstorben ist. Regel nummer zwei: man sagt der Bank nicht das der Gatte verstorben sei. Regel nummer drei: man sagt der Bank nicht das der Gatte verstorben ist. Das wusste sie auch schon und hatte das Konto bis auf 7 Euro leer geräumt. So äuft das.

Jetzt wird hier wieder eine Wohnung frei. Ein neuer Garagenplatz. Ich umarmte sie und meine letzten Worte waren: "Ob sie wollen oder nicht, Sie müssen jetzt weiter machen." Dann kamm der Bestatter aus Las Palmas an um sie abzuholen. Sie spricht kein spannisch. Er kein Deutsch. Den Lebensabend im Ausland zu verbringen bedeutet eben auch sich bis in die letzte Sekunde seines Lebens zu integrieren. Anders lässt sich die Angst vor der Fremde nicht bekämpfen.

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