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The walking dead in Firgas.

Published on Jul 19, 2020 15:48:00

Wir sind heute mit Freunden gewandert. Vier Erwachsene und drei Kinder. Die Route war vor ein paar Tagen kurz auf WikiLoc ausgecheckt wo sie mit "Einfach" und "Familenfreundlich" bezeichnet wurde. Kurz noch zwei drei Seiten zum Vergewissern aufgesucht und viele Fotos mit Kindern die Wandern und Lachen gefunden. Jetzt, nach über 3 Stunden wandern, mehreren Panikschüben und nachdem ich mich fast zwei Stunden ausgeruht habe, hier die Preisfrage: was zur Hölle haben die Trip-Reviewer eigentlich für Kampfkinder !? Ich weiss jetzt für mich das der Hauptunterschied zu den eher härteren Wanderungen die ich hier auf der Insel hinter mich gebracht hab, mein Sohn ist. Es ist tatsächlich anders, sozusagen allein los zu starten, als plötzlich einen fast vier jährigen an der Hand zu halten, weil da doch eins zwei Stellen alles andere als leicht sind. Für 10 oder 15 jährige, ja. Aber kein vier, geschweige denn fünf jähriges Kind. Ich weiss jetzt auch, das wir tatsächlich an der Falschen Stelle der Rundwanderung gestartet sind. Wobei letztendlich es eh an einem Wasserfall zum Showdown gekommen wäre, weil man an Seilen hochklettern muss. Mit Kind, versteht sich. Davon war in keinem einzigem Review die Rede. Nur nochmal so zur Erinnerung. Wir sind also in Firgas gestartet und es ging bergab. Sehr sogar. Das Schlomo irgendwann ausrutschen musste, war nur eine Frage der Zeit, da ich ihn aber hielt, hatte ich hier nicht wirklich bedenken. Tatsächlich mal wieder krass, ist sein Stolz als er nach einem ausrutscher instinktiv nach einem Stein greift und sich dort fest hält. Hammer reaktion, alles gut. Bis er sieht das er sich an einem Finger geschnitten hat und es blutet. Er heult und fragt "Warum? Warum ich als erstes!?" Spätestens da war mir mal wieder klar das ich irgendwas falsch mach in der Erziehung. Wir haben das jedes mal wenn er sich hinschmeisst oder mit dem Kopf irgendwo gegen donnert. Seine ersten Worte sind sofort "Alles Gut!". Weinend. Ich weiss nicht wie oft wir ihm schon gesagt haben das es vollkommen normal ist nach einem Schmerz los zu heulen und einfach laut zu fluchen. Letzteres übt er noch.

Ich kann nicht sagen, nach was für einer Zeit wir unten im Tal ankamen. Aber der Abstieg war an einigen stellen schon eine Zumutung für die Kinder. Zum überqueren einer Matschpfütze helfen uns zwei Trailrunner. Kurzerhand fragen wir die Pros nach dem Weg und da kommt von einem der beiden die Info, die nirgends in den reviews zwischen den erwähnten Bachläufen, Schattenplätzen oder Kaskaden, auftaucht: Wir sind auf der richtigen Route, müssen entlang des Wassers weiter rein bis wir an Felsen ankommen wo wir an Seilen hochklättern müssen. Seile !? Sorry, aber "Familienfreundlich" und "Seile" sind nicht ansatzweise miteinander verschwägert.

Es gab nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder raus aus dem Tal, zurück in die Zivilisation und mit Taxi zurück zu unserem Ausgangspunkt. Wir nahmen Tor 2 und entschieden uns für den Rückweg über den gerade zurück gelegten Abstieg. Die Kurzfassung: bei den letzten 1.000 metern wurde mir teils schwarz vor Augen, auch weil ich Schlomo teils tragen musste. Die anderen waren so weit voraus das ich ab einem Punkt sie nicht ein mal mehr sah. Später erfuhr ich das K. und C. ihre Kinder auch tragen mussten. Die waren einfach fix und fertig. Jedes mal wenn Schlomo zu mir sagte  das er Müde sei, traf mich das wie ein Messer im Rücken. Die geißelnde Mittagssonne tat ihr übriges. Zudem hatten wir nur noch knapp 300ml Wasser. Ich entschied mich entgegen sämtlicher Wander Ratgeber dazu, meinem Sohn den letzten Schluck Wasser zu geben. Absoluter Horror. Es gab bestimmt 5 Momente an denen ich kurz vorm Aufgeben war. Kein Wasser, 20Kg plus Rucksack mit Regenklamotten und Proviant. Natürlich hätte ich letzteres einfach wegwerfen können, aber die Brötchen waren doch frisch! Ne, ehrlich - jede meine Handlung waren nun vollkommen irrational. Ich hatte permanent schiss Butschi kippe mir um. Das war aber auch das einzige was mich vorantrieb. Das mein Sohn hier heil rauskommt. Die letzten 50meter dann nochmal ne Steigung von weit über 45%. Immerhin asphaltiert. Ich kam oben durchnässt an. Meinem Sohn ging es gut - er wollte nur Wasser. Gab's auch oben drauf. Sein Fazit der ganzen Aktion: "Das nächste mal möchte ich einen glatten Berg!"

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